Druckfehler: Ursachen und Abhilfe
Stand: April 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten
Die drei Stellschrauben
Die meisten Druckfehler im FDM-Verfahren lassen sich auf drei Parameter zurückführen: Extrusionsmenge, Temperatur und Materialzustand. Wer diese drei Größen beherrscht, eliminiert 90 % aller Fehldrucke. Der CHX 350 automatisiert die Kalibrierung der ersten beiden vollständig — was bleibt, ist der Materialzustand und die korrekte Druckvorbereitung.
Checkliste vor jedem Druck
Bevor Sie einen Druckauftrag starten, prüfen Sie systematisch:
- Druckbett sauber und fettfrei? Isopropanol oder Aceton verwenden.
- Filament trocken? Spule direkt aus der Trockenbox oder dem Trockner entnehmen.
- Düse frei? Kurze Extrusion von Hand auslösen und Strang prüfen — gleichmäßig und blasenfrei?
- Druckbettausrichtung aktuell? Der CHX 350 führt die Ausrichtung automatisch vor jedem Druck durch.
- Druckprofil zum Material passend? Temperatur, Geschwindigkeit und Lüftung prüfen.
- Erste Schicht beobachten — die ersten zwei Minuten entscheiden über Erfolg oder Misserfolg.
E-Steps: Die Grundlage korrekter Extrusion
Die E-Steps (Extruder-Schritte pro Millimeter) legen fest, wie viel Filament der Extruder pro Steuerungsbefehl fördert. Stimmt dieser Wert nicht, druckt die Maschine grundsätzlich zu viel oder zu wenig Material — unabhängig von allen anderen Einstellungen.
Am CHX 350: Die E-Steps-Kalibrierung erfolgt vollautomatisch nach jedem Filamentladen und Materialwechsel. Der integrierte Filament-Monitor misst die tatsächlich geförderte Strecke und korrigiert den Wert in der Firmware — ohne Bedienereingriff, ohne Messschieber. Details dazu im Artikel Automatische Filamentkalibrierung.
An Druckern ohne automatische Kalibrierung muss dieser Wert manuell ermittelt werden: Referenzlänge markieren, extrudieren, nachmessen, Korrekturfaktor berechnen.
Überextrusion (zu viel Material) erzeugt wulstige Oberflächen, Kleckse und verstopfte Düsen. Unterextrusion (zu wenig Material) führt zu lückenhaften Schichten, schwachen Verbindungen und sichtbaren Lücken zwischen Bahnen.
Nichtlineare Extrusion
Ein häufig unterschätztes Problem: Der Volumenstrom durch die Düse steigt nicht linear mit der Vorschubgeschwindigkeit. Bei höheren Geschwindigkeiten baut sich Gegendruck in der Schmelzzone auf. Die tatsächlich extrudierte Menge bleibt hinter dem Soll zurück — der Druck wird bei hohen Geschwindigkeiten systematisch unterextrudiert, bei niedrigen überextrudiert.
Am CHX 350: Die nichtlineare Extrusionskompensation (M592) wird automatisch kalibriert, wenn ein neues Material eingerichtet wird. Der Filament-Monitor führt eine Messreihe über verschiedene Geschwindigkeitsstufen durch und berechnet die Kompensationsparameter per polynomialer Regression. Bei Bedarf kann die Kalibrierung auch manuell angestoßen werden. Das Ergebnis: Extrusionsgenauigkeit besser als ±2 % über den gesamten Geschwindigkeitsbereich.
An Druckern ohne automatische Kompensation erfordert die korrekte Kalibrierung manuelle Testdrucke bei verschiedenen Geschwindigkeiten — ein erheblicher Aufwand, der sich jedoch besonders bei technischen Bauteilen mit engen Toleranzen lohnt.
Filamentfeuchtigkeit
Nahezu alle technischen Filamente sind hygroskopisch — sie nehmen Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf. Nylon (PA) erreicht die Sättigungsgrenze bereits nach wenigen Stunden offener Lagerung. Aber auch PLA, PETG und insbesondere kohlefaserverstärkte Materialien sind betroffen.
Symptome feuchten Filaments:
- Knistern und Zischen während der Extrusion (Wasser verdampft in der Düse)
- Blasen und raue Oberflächen auf dem Druckobjekt
- Schlechte Schichthaftung und reduzierte Bauteilfestigkeit
- Fädenziehen (Stringing), das trotz korrekter Rückzugseinstellung nicht verschwindet
Trocknungsempfehlungen: PLA bei 45 °C für 4–6 Stunden. PETG bei 65 °C für 4–6 Stunden. PA/Nylon bei 80 °C für 8–12 Stunden. Kohlefaserverstärkte Materialien entsprechend dem Basispolymer. Lagern Sie getrocknetes Filament in luftdichten Behältern mit Trockenmittel — oder drucken Sie direkt aus dem Filamenttrockner.
Druckfehler-Lexikon: Die 8 häufigsten Probleme
1. Überextrusion
- Ursache: E-Steps zu hoch, Flussmultiplikator zu hoch, Düsenbohrung größer als im Slicer konfiguriert
- Lösung: E-Steps kalibrieren (am CHX 350 automatisch), Flussrate in 2-%-Schritten reduzieren, Düsendurchmesser überprüfen
2. Unterextrusion
- Ursache: E-Steps zu niedrig, teilweise verstopfte Düse, feuchtes Filament, Extruder-Zahnrad abgenutzt
- Lösung: E-Steps kalibrieren (am CHX 350 automatisch), Düse reinigen oder tauschen, Filament trocknen, Förderrad prüfen
3. Schichtversatz
- Ursache (konventionelle Drucker): Riemen zu locker, Schrittverlust durch zu hohe Beschleunigung, mechanische Blockade, lockere Madenschrauben
- Am CHX 350: Durch den geschlossenen Regelkreis mit 14-Bit-Achssensoren werden Positionsabweichungen in Echtzeit erkannt und korrigiert. Schichtversatz durch Schrittverlust ist damit ausgeschlossen. Tritt dennoch ein Versatz auf, liegt ein mechanischer Defekt vor (z. B. gebrochener Riemen, blockierte Führung) — der Drucker erkennt das und stoppt den Auftrag kontrolliert.
4. Warping (Verzug)
- Ursache: Zu schnelle Abkühlung, ungleichmäßige Bauraumtemperatur, unzureichende Druckbetthaftung, Zugluft
- Lösung: Bauraumtemperatur erhöhen und stabilisieren, Druckbetttemperatur anpassen, Haftmittel verwenden, geschlossene Einhausung nutzen
5. Stringing (Fädenziehen)
- Ursache: Rückzugslänge oder -geschwindigkeit zu gering, Düsentemperatur zu hoch, feuchtes Filament
- Lösung: Rückzugswerte erhöhen (typisch 1–3 mm bei Direktextruder, 4–7 mm bei Bowden), Temperatur um 5 °C senken, Filament trocknen
6. Verstopfte Düse
- Ursache: Verkohltes Material in der Düse, Fremdkörper im Filament, Kaltzone im Heatbreak defekt (Wärmekriechen)
- Lösung: Kaltreinigung (Kaltzug) durchführen, Düse im Ultraschallbad reinigen oder tauschen, Heatbreak-Kühlung prüfen
7. Schlechte erste Schicht
- Ursache: Z-Offset falsch, Druckbett nicht plan, Oberfläche verschmutzt, Druckgeschwindigkeit der ersten Schicht zu hoch
- Lösung: Druckbett mit Isopropanol reinigen, erste Schicht mit 50 % Geschwindigkeit drucken. Am CHX 350 wird die Bettausrichtung automatisch vor jedem Druck durchgeführt (Wirbelstrom-Abstandssensor, 900 Messpunkte in unter 60 Sekunden).
8. Brückenversagen
- Ursache: Brückengeschwindigkeit zu niedrig (Material sackt ab), Bauteilkühlung unzureichend, Brückenspannweite zu groß für das Material
- Lösung: Brückengeschwindigkeit erhöhen (60–80 mm/s), Lüfterkühlung auf 100 % für Brücken, bei großen Spannweiten Stützstrukturen einsetzen
Fazit
Druckfehler sind kein Schicksal. Sie entstehen aus messbaren, reproduzierbaren Ursachen — und lassen sich durch systematisches Vorgehen beheben. Der CHX 350 automatisiert die häufigsten Fehlerquellen: E-Steps und nichtlineare Extrusion werden automatisch kalibriert, die Druckbettausrichtung erfolgt vor jedem Auftrag und Schichtversatz ist durch den geschlossenen Regelkreis ausgeschlossen. Was bleibt, ist die Verantwortung des Bedieners: Filament trocken halten, Düsenzustand prüfen und das richtige Druckprofil wählen.