Spritzguss vs 3D Druck vs CNC Fräsen: Welches Verfahren für welchen Zweck?
Stand: April 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten
Drei Verfahren, drei Stärken
Spritzguss, CNC Fräsen und FFF 3D Druck sind keine konkurrierenden Verfahren — sie haben unterschiedliche Sweet Spots. Die richtige Wahl hängt von Stückzahl, Geometrie, Material und Zeitdruck ab. Dieser Vergleich zeigt, wo welches Verfahren wirtschaftlicher ist.
Spritzguss: Ideal für Großserien
Spritzguss ist das effizienteste Verfahren für hohe Stückzahlen identischer Teile. Ein Formwerkzeug wird gefertigt, und danach produziert die Maschine in Sekunden ein Teil. Die Stückkosten sind minimal — aber die Einmalkosten sind hoch:
- Werkzeugkosten: 5.000–50.000 € (einfach) bis 100.000 € (komplex)
- Lieferzeit Werkzeug: 4–12 Wochen
- Änderungskosten: Jede Geometrieänderung erfordert ein neues Werkzeug
- Break-even: Typisch ab 1.000–10.000 Stück (je nach Teilekomplexität)
Unterhalb des Break-even-Punktes ist Spritzguss unwirtschaftlich. Genau hier setzen 3D Druck und CNC an.
CNC Fräsen: Präzision aus dem Vollen
CNC Fräsen erzeugt Teile subtraktiv aus einem Materialblock. Das Verfahren liefert exzellente Oberflächen und enge Toleranzen — ist aber an Grenzen gebunden:
- Geometrie: Hinterschnitte, interne Kanäle und komplexe Hohlstrukturen sind schwer bis unmöglich herstellbar
- Materialverlust: Bis zu 80 % des Rohblocks werden zu Spänen — bei teuren Kunststoffen ein erheblicher Kostenfaktor
- Stückkosten: Programmierung + Rüstzeit machen kleine Stückzahlen teuer
- Stärke: Metallteile, enge Toleranzen (±0,01 mm), glatte Oberflächen
FFF 3D Druck: Flexibilität ohne Werkzeuge
FFF (Fused Filament Fabrication) baut Teile schichtweise aus thermoplastischem Kunststoff auf. Kein Werkzeug, kein Materialverlust, direkt aus der CAD-Datei:
- Werkzeugkosten: 0 €
- Lieferzeit: Stunden bis Tage (abhängig von Bauteilgröße)
- Änderungskosten: 0 € — CAD ändern, neu drucken
- Geometriefreiheit: Hinterschnitte, Hohlstrukturen, interne Kanäle möglich
- Materialspektrum: Von PLA bis PEKK, inklusive faserverstärkter Hochleistungspolymere
- Grenzen: Schichtlinien sichtbar, Toleranzen ±0,2 mm, anisotrope Festigkeit
3D Druck als Alternative zu Aluminium Fräsen
Kohlefaser-verstärkte Kunststoffe wie PA6 CF HT (170 MPa Zugfestigkeit, 15 GPa E-Modul) erreichen mechanische Eigenschaften, die in vielen Anwendungen Aluminium-Frästeile ersetzen können — bei einem Bruchteil des Gewichts und der Kosten. Typische Anwendungen: Greifer für Roboter, Vorrichtungen, Gehäuse und Adapter.
Der Vorteil: Ein CNC-gefrästes Aluminiumteil kostet schnell 200–2.000 € und braucht Tage bis Wochen. Das gleiche Teil aus PA6 CF kostet 20–100 € an Material und druckt über Nacht.
FFF vs SLA: Welches 3D Druck Verfahren für große Teile?
SLA (Stereolithografie) liefert exzellente Oberflächen und hohe Detailauflösung — ist aber für Großformat ungeeignet. SLA-Drucker mit Bauraumgrößen über 300 mm sind selten und extrem teuer, das Harz ist spröde und UV-empfindlich, und die Nachbearbeitung (Waschen, Nachhärten) skaliert schlecht.
FFF skaliert natürlich auf Großformat: Größere Bauräume erfordern lediglich einen stabileren Rahmen und längere Linearführungen. Die Materialien (PA6, PC, PPS CF) sind industrieerprobt, preiswert und mechanisch belastbar. Für funktionale Großteile ist FFF das überlegene Verfahren.
Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Spritzguss | CNC Fräsen | FFF 3D Druck |
|---|---|---|---|
| Werkzeugkosten | 5.000–100.000 € | 0 € | 0 € |
| Stückkosten (Kleinserie) | Sehr hoch | Hoch | Niedrig |
| Stückkosten (Großserie) | Sehr niedrig | Hoch | Mittel |
| Lieferzeit | Wochen (Werkzeug) | Tage | Stunden–Tage |
| Geometriefreiheit | Eingeschränkt | Eingeschränkt | Hoch |
| Oberflächenqualität | Exzellent | Exzellent | Gut (nachbearbeitbar) |
| Materialvielfalt | Hoch | Sehr hoch | Hoch (Thermoplaste) |
| Änderungskosten | Neues Werkzeug | Neues Programm | 0 € (CAD ändern) |
| Großformat (>500 mm) | Teuer | Möglich | Ab 42.000 € (CHX 350) |
Fazit: Kein Entweder-Oder
Das optimale Fertigungsverfahren hängt von Stückzahl und Anforderung ab. 3D Druck ersetzt nicht CNC oder Spritzguss — aber er füllt die Lücke, in der beide unwirtschaftlich sind: Kleinserien, Prototypen, Vorrichtungen, Ersatzteile und übergroße Kunststoffteile. In vielen Fertigungsbetrieben arbeiten alle drei Verfahren nebeneinander — jedes dort, wo es seine Stärken ausspielt.
Über Meltingplot
Meltingplot ist ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Kiel. Wir entwickeln und fertigen industrielle FFF-Großformatdrucker für den produzierenden Mittelstand in Deutschland — Maschinenbau, Werkzeugbau, Sondermaschinenbau und deren Zulieferer. Dazu bieten wir Hochleistungsfilamente an, die wir gemeinsam mit spezialisierten Materialpartnern auf unsere Drucker abgestimmt haben.
Wer bei uns anruft, spricht mit dem Ingenieur, der die Maschine entwickelt hat. Entwicklung, Fertigung und Kundendienst der Drucker liegen in einer Hand — wer entscheidet, nimmt auch das Telefon ab. Das ist die Arbeitsweise, die zu den Betrieben passt, für die wir bauen.